Die Besatzung der NASA-Mission Artemis II hat offiziell den „Einflussbereich“ des Mondes betreten. Dieser entscheidende Meilenstein bedeutet, dass die Anziehungskraft des Mondes zur dominierenden Kraft geworden ist, die auf die Orion-Raumsonde einwirkt, und die Anziehungskraft der Erde überholt hat.
Nach vier Tagen und sechs Stunden Reise befindet sich die Raumsonde derzeit etwa 39.000 Meilen (62.800 km) vom Mond und 232.000 Meilen (373.400 km) von der Erde entfernt. Dieser Übergang bereitet die Bühne für die ehrgeizigste Phase der Mission: eine Reise zur Mondrückseite.
Eine neue Perspektive auf die Mondoberfläche
Während die Apollo-Missionen der 1960er und 70er Jahre Menschen nur 70 Meilen über der Mondoberfläche fliegen ließen, verfolgt Artemis II einen anderen Ansatz. Die Besatzung wird eine viel höhere Höhe beibehalten und an ihrem nächstgelegenen Punkt etwa 4.000 Meilen vom Mond entfernt vorbeifliegen.
Diese höhere Umlaufbahn dient einem bestimmten wissenschaftlichen Zweck: Sie ermöglicht der Besatzung, den Mond als vollständigen, kugelförmigen Körper einschließlich der Polarregionen zu beobachten. Noch wichtiger ist, dass es einen Aussichtspunkt bietet, um die Mondrückseite zu beobachten – eine Region, die während der Apollo-Ära weitgehend unzugänglich oder schwer zu beobachten war.
Wichtige Meilensteine der Mission:
- Visuelle Beobachtungen: Während eines sechsstündigen Vorbeiflugs werden Astronauten sowohl Bordkameras als auch ihre eigenen Augen verwenden, um die Mondlandschaft zu dokumentieren.
- Der Kommunikationsausfall: Wenn Orion hinter dem Mond vorbeizieht, blockiert die Mondmasse Funksignale, was zu einem geplanten 40-minütigen Kommunikationsausfall mit dem Deep Space Network der Erde führt.
- Rekordentfernung: Wenn der Vorbeiflug wie geplant verläuft, wird die Besatzung – die Amerikaner Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover sowie der Kanadier Jeremy Hansen – einen neuen Rekord für die weiteste Entfernung, die Menschen jemals von der Erde zurückgelegt haben, aufstellen.
Die Grenzen der Raumfahrttechnologie testen
Über die astronomischen Ansichten hinaus ist Artemis II ein wichtiges „Testgelände“ für die NASA. Im Gegensatz zu früheren Missionen, die bewährte Hardware aus der Apollo-Ära nutzten, testet diese Mission das Orion-Raumschiff und seine Lebenserhaltungssysteme zum ersten Mal mit einer menschlichen Besatzung.
„Dies ist das erste Mal, dass jemals zuvor Astronauten mit diesem Raumschiff geflogen sind. Das ist es, woran wir am meisten interessiert sind, Daten zu erhalten“, erklärte NASA-Chef Jared Isaacman.
Bei der Mission geht es nicht nur um Erkundung, sondern auch um Validierung. Die gesammelten Daten über das Ökosystem und die lebenserhaltende Stabilität der Raumsonde sind für den Erfolg zukünftiger Missionen von entscheidender Bedeutung, insbesondere der geplanten Mondlandung Artemis III im Jahr 2027 und Artemis IV im Jahr 2028.
Überbrückung der Kluft zwischen Apollo und Artemis
Die Mission hat eine tiefe symbolische Bedeutung und fungiert als Brücke zwischen dem Erbe des 20. Jahrhunderts und den Ambitionen des 21. Jahrhunderts. Diese Verbindung wurde vom 90-jährigen ehemaligen Astronauten Charlie Duke hervorgehoben, der während Apollo 16 den Mond betrat und die Besatzung feierlich weckte.
Während sich die Besatzung auf den Transit zur anderen Seite vorbereitet, hat sie bereits damit begonnen, zur Mondforschung beizutragen. Die NASA veröffentlichte kürzlich ein von der Besatzung aufgenommenes Bild, das das Orientale-Becken zeigt – oft als „Grand Canyon“ des Mondes bezeichnet. Während umlaufende Satelliten diesen bullaugenförmigen Krater bereits zuvor fotografiert haben, ist dies das erste Mal, dass das gesamte Becken mit menschlichen Augen betrachtet wird.
Schlussfolgerung
Artemis II dient als kritische technische Probe für die Besiedlung im Weltraum. Durch Tests der Raumsonde Orion und die Navigation auf der Mondrückseite sammelt die NASA die wesentlichen Daten, die erforderlich sind, um Menschen zur Mondoberfläche und schließlich darüber hinaus zurückzubringen.

























