Paläontologen haben mit DinoTracker ein neues Tool für künstliche Intelligenz vorgestellt, das Dinosaurier-Fußabdrücke mit beispielloser Genauigkeit identifizieren soll. Die App befasst sich mit einer seit langem bestehenden Herausforderung in der Paläontologie: der Zuordnung fragmentierter versteinerter Spuren zu den Dinosauriern, die sie erstellt haben. Die Kerninnovation liegt in der Art und Weise, wie die KI lernt – durch die Analyse von Fußabdruck-Beziehungen, anstatt sich auf potenziell fehlerhafte menschliche Bezeichnungen zu verlassen.
Das Problem mit bestehenden Methoden
Frühere KI-Systeme wurden anhand von Datensätzen trainiert, bei denen Fußabdrücke bereits bestimmten Dinosaurierarten zugeordnet waren. Das Problem? Viele dieser ursprünglichen Klassifizierungen sind wahrscheinlich falsch. Wie Dr. Gregor Hartmann vom Helmholtz-Zentrum in Deutschland betont: „Man findet nie einen Fußabdruck bei dem Dinosaurier, der ihn gemacht hat.“ Das neue System umgeht dieses Problem, indem es zunächst 2.000 unbeschriftete Silhouetten analysiert, um Muster zu identifizieren, und diese dann anhand messbarer Merkmale gruppiert.
So funktioniert DinoTracker
Die KI identifiziert acht Schlüsselmerkmale in Fußabdrücken: Zehenspreizung, Bodenkontaktfläche und Fersenposition. Mithilfe dieser Parameter kann das System ähnliche Abdrücke gruppieren, auch wenn die Art, von der sie stammen, unbekannt ist. Das Team hat diese Logik dann in eine kostenlose App umgewandelt, die es jedem ermöglicht, eine Fußabdrucksilhouette hochzuladen, die engsten Übereinstimmungen zu erkunden und die Funktionen zu manipulieren, um zu sehen, wie sich Variationen auf die Ähnlichkeitswerte auswirken.
Implikationen für die Paläontologie
DinoTracker ist nicht nur ein Tool zur Überprüfung; Es verschiebt Grenzen beim Verständnis der Dinosaurierentwicklung. Die Analyse der KI bestätigt bestehende Vermutungen, dass Fußabdrücke aus der Trias und dem frühen Jura verblüffende Ähnlichkeit mit Vogelspuren aufweisen – 60 Millionen Jahre älter als die frühesten Vogelfossilien. Diese Entdeckung bedeutet nicht unbedingt, dass sich Vögel früher entwickelt haben, sie lässt jedoch darauf schließen, dass einige Dinosaurier bemerkenswert vogelähnliche Füße hatten.
Vorbehalte und zukünftige Forschung
Die Ergebnisse der KI sind nicht unumstritten. Einige Experten, wie Dr. Jens Lallensack von der Humboldt-Universität zu Berlin, warnen davor, dass das System Ähnlichkeiten auf Oberflächenebene und nicht die zugrunde liegende Fußstruktur überbetonen könnte. Auch die Art und Weise, wie ein Fuß in weichen Boden einsinkt, kann vogelähnliche Muster nachahmen. Die DinoTracker-App gruppiert Ausdrucke in 90 % der Fälle mit erwarteten Klassifizierungen, eine menschliche Überprüfung bleibt jedoch unerlässlich.
DinoTracker ist ein leistungsstarkes neues Tool, aber es ist kein Ersatz für eine Expertenanalyse. Es bietet einen datengesteuerten Ansatz zur Lösung antiker Rätsel und wirft Fragen darüber auf, wie sich frühvogelähnliche Merkmale entwickelten und ob einige Dinosaurier weitaus vogelähnlicher waren als bisher angenommen.
























