Rathlin Island, vor der Küste der Grafschaft Antrim in Nordirland gelegen, hat einen historischen Meilenstein erreicht: die vollständige Ausrottung der nichteinheimischen Frettchenpopulation. Dieser Sieg, ein Weltneuheit für ein Inselökosystem, stellt eine entscheidende Lebensader für die weltweit bedeutenden Seevogelkolonien der Region dar, die jahrzehntelang unter Raubtieren gelitten haben. Das fünfjährige, 4,5 Millionen Pfund teure „Rettungsfloß“-Projekt hat in Kombination mit den einzigartigen Fähigkeiten eines Spürhundes namens Woody die Insel in einen sicheren Zufluchtsort für gefährdete Vogelarten verwandelt.
Die invasive Bedrohung und die Ausrottungsbemühungen
Frettchen wurden in den 1980er Jahren auf Rathlin Island eingeführt, ursprünglich zur Schädlingsbekämpfung gedacht. Diese Raubtiere verlagerten ihren Fokus jedoch schnell auf die am Boden nistenden Seevögel der Insel und dezimierten Papageientaucher, Trottellummen und andere Populationen. Das Ausmaß des Problems wurde 2017 deutlich, als ein einzelnes verwildertes Frettchen in nur zwei Tagen 27 Papageientaucher tötete.
Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurden im Rahmen des Life Raft-Projekts über 400 Frettchenfallen auf der ganzen Insel aufgestellt. Gleichzeitig wurden im Rahmen eines intensiven Rattenbekämpfungsprogramms alle 250 Meter fast 7.000 handgefertigte Köderfallen aufgestellt. Von entscheidender Bedeutung war, dass das Projekt ein Biosicherheitsprotokoll enthielt, um die Wiedereinführung invasiver Arten zu verhindern.
Woody der Wunderhund: Ein Schlüssel zum Erfolg
Die Ausrottungsbemühungen wurden durch Woody, einen speziell ausgebildeten Naturschutzhund, erheblich verstärkt. Woodys außergewöhnlicher Geruchssinn sorgte dafür, dass nach der Fangphase kein Frettchen unentdeckt blieb. Trotz eines tragischen Unfalls, der zum Verlust eines Auges führte, blieben seine olfaktorischen Fähigkeiten voll funktionsfähig, was ihn zu einem unschätzbaren Wert machte.
Woodys Rolle hat sich nun auf die Biosicherheit ausgeweitet: Er wird eingehende Lieferungen (Heu, Futter, Holz) in Ballycastle und auf Rathlin inspizieren, um zu verhindern, dass Nagetiere die Insel wieder besiedeln. Diese proaktive Maßnahme ist entscheidend für die Aufrechterhaltung des hart erkämpften Frettchenfreiheitsstatus.
Erholung und zukünftige Auswirkungen
Da seit Oktober 2023 keine Frettchen mehr gesichtet wurden, sind bereits erste Anzeichen einer Erholung erkennbar. Seevogelkolonien können sich schnell erholen, wenn sie vom Raubtierdruck befreit werden, und Bewohner haben von einem Wiederaufleben der Hasenpopulationen berichtet. Der ortsansässige Landwirt Tom McDonnell weist darauf hin, dass die Ausrottung eine sichere Geflügelhaltung ermöglicht und die Selbstversorgung der Insel verbessert.
Der Erfolg auf Rathlin Island hat weitreichendere Auswirkungen. Laut Erin McKeown sind die Seevogelpopulationen im Vereinigten Königreich und in Irland in den letzten zwei Jahrzehnten um 62 % zurückgegangen. Die Bekämpfung invasiver Arten ist daher von entscheidender Bedeutung, insbesondere da Seevögel zusätzlichen Bedrohungen durch Klimawandel, Überfischung und Umweltverschmutzung ausgesetzt sind.
Das Projekt konzentriert sich nun darauf, bis 2027 den Rattenfreiheitsstatus zu erreichen, überwacht durch 110 strategisch platzierte Kameras. Experten glauben, dass die auf Rathlin gewonnenen Erkenntnisse – effektive Fangtechniken und gemeinschaftliches Engagement – auf andere Inselökosysteme weltweit übertragbar sind.
„Dies ist ein fantastisches Beispiel für die Zusammenarbeit von Agentur und Gemeinschaft, um dieses wirklich wichtige Ziel zu erreichen. Es zeigt auch, dass einige der dort gewonnenen Erkenntnisse … auf anderen Inseln auf der ganzen Welt genutzt werden können.“ – Bell, Wildlife Management International.
Die Ausrottung invasiver Arten auf Rathlin Island zeigt, dass gezielte Schutzbemühungen in Kombination mit innovativen Instrumenten wie ausgebildeten Spürhunden messbare Ergebnisse liefern können. Die langfristige Gesundheit des Ökosystems der Insel und die Sicherheit ihrer Seevogelpopulationen hängen nun von nachhaltigen Biosicherheitsmaßnahmen und anhaltender Wachsamkeit ab.
