Schätzungen des Meeresspiegels um bis zu mehrere Meter unterschätzt, wie neue Studienergebnisse zeigen

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Schätzungen des Meeresspiegels um bis zu mehrere Meter unterschätzt, wie neue Studienergebnisse zeigen

Wissenschaftler haben den tatsächlichen Meeresspiegel weltweit systematisch um bis zu einen Fuß und in einigen Regionen um mehrere Meter unterschätzt, so eine am Mittwoch in Nature veröffentlichte Studie. Dies bedeutet, dass Hunderte Millionen Menschen mehr als bisher angenommen bereits in Gebieten leben, die dem steigenden Ozean gefährlich ausgesetzt sind.

Das Ausmaß des Fehlers

Die Studie zeigt, dass aktuelle Modelle und Karten zur Bewertung des Küstenrisikos auf ungenauen Basisdaten basieren. Im Durchschnitt ist der Meeresspiegel an der Küste 20 bis 30 cm höher als nach wissenschaftlichen Standardschätzungen angegeben. Die Diskrepanz ist in komplexen ozeanografischen Regionen wie Südostasien und pazifischen Inselstaaten deutlich größer, wo das Wasser mehrere Meter höher ist als allgemein berichtet.

Dabei geht es nicht um fehlerhafte Vorhersagen zum künftigen Anstieg des Meeresspiegels, sondern um die Tatsache, dass Wissenschaftler von einem ungenauen Ausgangspunkt ausgegangen sind. Die Untersuchung zeigt, dass frühere Berechnungen der Landexposition und des Bevölkerungsrisikos auf unterschätzten aktuellen Meeresspiegeln basierten.

Warum das wichtig ist

Die Unterschätzung des aktuellen Meeresspiegels ist von entscheidender Bedeutung, da sich politische Entscheidungsträger und Regierungen bei der Planung der Klimaanpassung auf diese Daten stützen. Wenn der Meeresspiegel bereits höher ist als angenommen, ist die unmittelbare Bedrohung für die Küstenbevölkerung weitaus größer als bisher angenommen.

Katharina Seeger, die leitende Forscherin an der Universität Padua, erklärte, das Ausmaß des Fehlers sei „immens“. Im Zeitalter präziser GPS- und Satellitenbildgebung sind die grundlegenden Basisdaten für die Küstenkartierung fehlerhaft.

Grundursache: Methodische Mängel

Die Studie weist auf einen systematischen Fehler bei der Messung der Küstenhöhen hin. Bestehende Methoden berücksichtigen oft nicht die komplexe lokale Meeresdynamik, was dazu führt, dass der tatsächliche Meeresspiegel nicht ausreichend erfasst wird. Dabei handelt es sich nicht nur um ungenaue Werkzeuge; Es handelt sich um ein weit verbreitetes methodisches Problem, das weitgehend unbemerkt geblieben ist.

Die Diskrepanz ist so groß, dass die aktuellen Risikobewertungen möglicherweise gefährlich optimistisch sind. Regierungen müssen die Anfälligkeit der Küsten anhand aktualisierter, genauer Meeresspiegeldaten neu bewerten.

Die neuen Erkenntnisse entkräften nicht die Prognosen zum künftigen Anstieg des Meeresspiegels, unterstreichen jedoch die dringende Notwendigkeit, aktuelle Risikokarten und Anpassungsstrategien zu überarbeiten. Die Welt steht bereits vor einem höheren Wasserstand, als viele glaubten, und die Folgen sind unmittelbarer als bisher angenommen.