Luftlaser und indigene Gebiete: Die Ethik der archäologischen Kartierung

21
Luftlaser und indigene Gebiete: Die Ethik der archäologischen Kartierung

Die rasante Weiterentwicklung von Luft-Lidar – einer Technologie, die mithilfe von Laserpulsen detaillierte 3D-Karten des Bodens, selbst unter dichten Wäldern, erstellt – verändert die Archäologie. Obwohl dieses leistungsstarke Werkzeug als revolutionär gefeiert wird, wirft es erhebliche ethische Bedenken auf, wenn es auf indigene Gebiete und angestammte Stätten angewendet wird. Das Kernproblem ist nicht die Technologie selbst, sondern wie sie genutzt wird: oft ohne Zustimmung, was ein Muster extraktiver Forschung verstärkt, das an historische Enteignung erinnert.

Die Kraft und Gefahr der Fernerkundung

Lidar funktioniert, indem es Millionen von Laserimpulsen pro Sekunde von einem Flugzeug abfeuert und misst, wie lange es dauert, bis sie nach dem Abprallen vom Boden zurückkehren. Dadurch können Archäologen das Gelände detailliert kartieren, selbst wenn der physische Zugang eingeschränkt ist. Die Effizienz dieser Methode hat zu Forderungen nach einer Kartierung ganzer Landmassen geführt, doch diese Aufregung überschattet die ethischen Implikationen. Forscher benötigen für die Durchführung dieser Scans oft nur eine nationale und keine lokale Genehmigung – eine Situation, die beunruhigend ähnlich ist, wie private Unternehmen wie Google Immobilien ohne ausdrückliche Zustimmung kartieren.

Besonders akut ist das Problem bei der Untersuchung indigener Gebiete. Viele Gruppen trauen Archäologen nicht, weil sie die Zerstörung der Überreste ihrer Vorfahren oder die Aneignung von Wissen befürchten. In solchen Fällen werden Luftaufnahmen ohne örtliche Zustimmung zu einer Form der Überwachung, die es Außenstehenden ermöglicht, Ressourcen und Informationen ohne Rechenschaftspflicht zu extrahieren. Dies ist kein neues Phänomen; Indigene Gemeinschaften haben schon lange mit den Folgen ungebetener Eingriffe zu kämpfen.

Die La Mosquitia-Kontroverse: Eine Fallstudie zur Enteignung

Im Jahr 2015 behauptete eine hochkarätige Expedition in der Region La Mosquitia in Honduras, die von National Geographic veröffentlicht wurde, eine „verlorene Stadt“ entdeckt zu haben. Die Erzählung stellte das Gebiet als „abgelegen und unbewohnt“ dar und löschte die langjährige Präsenz und das Wissen des Miskitu-Volkes aus. Der daraus resultierende Medienrummel führte dazu, dass Artefakte ohne Rücksprache entfernt wurden, ein klares Beispiel für das, was Kritiker als „Christopher-Kolumbus-Syndrom“ bezeichnen – die Auslöschung indigener Entscheidungsfreiheit zugunsten einer kolonialen Entdeckungsgeschichte.

Die Moskitia Asla Takanka (MASTA), eine indigene Organisation, forderte die Einhaltung internationaler Abkommen, die eine vorherige, freie und informierte Zustimmung erfordern. Diese Forderungen wurden weitgehend ignoriert, was den anhaltenden Kampf gegen neokoloniale Forschungspraktiken verdeutlicht. Der Fall zeigt, wie technologischer Fortschritt bestehende Machtungleichgewichte verschärfen kann.

Ein gemeinsamer Weg nach vorn

Trotz dieser Herausforderungen kann Lidar aus der Luft ethisch vertretbar eingesetzt werden. Der Schlüssel liegt in einer echten Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften, wobei deren Autonomie und Wohlergehen im Vordergrund stehen. Das Mensabak Archaeological Project in Chiapas, Mexiko, bietet ein Modell. Die Forscher arbeiteten mit den Hach Winik-Leuten zusammen und sicherten sich die Einwilligung nach Aufklärung durch einen transparenten Prozess, der Gemeindeversammlungen und mehrsprachige Kommunikation umfasste.

Der Prozess umfasste die Diskussion sowohl der Vorteile (Gebietserfassung, potenzieller Tourismus) als auch der Risiken (Plünderungen, Datenmissbrauch). Letztendlich stimmte die Community dem Scan zu, die Zustimmung galt jedoch als dauerhaft und widerrufbar. Dieser Ansatz zeigt, dass Spitzenwissenschaft mit den Rechten der Ureinwohner in Einklang stehen kann, wenn sie auf Dialog, Respekt und Rechenschaftspflicht basiert.

Die Zukunft der archäologischen Forschung

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht in einer schnelleren Kartierung, sondern in gerechten Praktiken. Archäologen müssen ihre Rolle bei der historischen Unterdrückung anerkennen und der kulturell sensiblen Einwilligung nach Aufklärung Priorität einräumen. Indigene Gemeinschaften können zu aktiven Kollaborateuren und nicht zu passiven Subjekten werden. Luft-Lidar kann, wenn es richtig eingesetzt wird, eher ein Werkzeug zur Stärkung als zur Extraktion sein. Die Frage ist, ob Forscher Rechenschaftspflicht über Effizienz stellen und die westliche Wissenschaft mit der indigenen Zukunft in Einklang bringen werden.