Laut einer aktuellen Meldung bei der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) führte das Starlink-Satellitennetzwerk von SpaceX im Jahr 2025 etwa 300.000 Kollisionsvermeidungsmanöver durch. Dieser Anstieg unterstreicht die wachsenden Herausforderungen bei der Bewältigung einer immer dichter werdenden erdnahen Umlaufbahn, in der mittlerweile Tausende von Satelliten um den Weltraum konkurrieren.
Das Problem der Orbitalüberlastung
Starlink wurde 2019 gestartet und umfasst mittlerweile rund 9.400 Satelliten – das sind 65 % aller aktiven Satelliten. Während der Dienst den Internetzugang weltweit bereitstellt, hat seine schnelle Verbreitung das Risiko von Kollisionen dramatisch erhöht, die zur Entstehung von Trümmerfeldern führen könnten, die Orbitalpfade unbrauchbar machen. Aufgrund dieser wachsenden Bedrohung verlangt die FCC regelmäßige Sicherheitsberichte von SpaceX.
Kollisionsvermeidung: Ein gewaltiges Unterfangen
Allein von Juni bis November 2025 führten Starlink-Satelliten 149.000 Manöver durch, zusätzlich zu den 144.000 im vorherigen Zeitraum. Damit beläuft sich die Gesamtzahl für das Jahr auf rund 300.000 – ein Anstieg von 50 % gegenüber den 200.000 Manövern im Jahr 2024. SpaceX geht weitaus konservativer vor als der Industriestandard und leitet Manöver mit einer Risikostufe von 3 zu 10 Millionen ein, während die meisten Unternehmen auf eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10.000 warten.
„Das ist eine riesige Menge an Manövern“, bemerkt Hugh Lewis von der University of Birmingham und unterstreicht das beispiellose Ausmaß dieser Bemühungen.
Eskalierendes Risiko und Zukunftsprognosen
Die zunehmende Zahl von Manövern ist nicht nur eine statistische Anomalie; es signalisiert eine grundlegende Verschiebung der Orbitaldynamik. Im Gegensatz zu den Satelliten vor Starlink, die vielleicht nur eine Handvoll Manöver pro Jahr durchführen, führen SpaceX-Satelliten jetzt jedes Jahr bis zu 40 Manöver pro Satellit aus. Experten gehen davon aus, dass diese Zahl bis 2027 eine Million pro Jahr erreichen wird, was durch den Einsatz zusätzlicher Megakonstellationen durch andere Unternehmen in den USA und China noch verstärkt wird.
Unheimliche Begegnungen und orbitale Dominanz
Der Bericht von SpaceX enthüllte auch wiederholte Beinaheunfälle, insbesondere mit dem chinesischen Satelliten Honghu-2. Dies deutet darauf hin, dass SpaceX tatsächlich wichtige Orbitalhöhen (zwischen 340 und 570 Kilometern) „besetzt“ hat, obwohl der Weltraumvertrag theoretisch den gleichen Zugang zum gesamten Weltraum garantiert.
Hardwarefehler und autonome Systeme
Der Bericht enthüllte eine Explosion des Starlink-Satelliten im Dezember aufgrund eines „mutmaßlichen Hardwarefehlers“ und veranlasste SpaceX, zukünftige Komponenten neu zu entwerfen. Das Unternehmen verlässt sich auf ein automatisiertes Kollisionsvermeidungssystem. Bei einem Vorfall führte das japanische Unternehmen Astroscale jedoch ein unkoordiniertes Manöver durch, das kurzzeitig zu einem erhöhten Kollisionsrisiko führte. Astroscale bestreitet die Darstellung von SpaceX und gibt an, dass seine Handlungen den japanischen Richtlinien entsprochen hätten.
Das Fazit
SpaceX weicht Kollisionen außerordentlich schnell aus, aber die schiere Menge an Manövern unterstreicht die Unhaltbarkeit der aktuellen Umlaufbahnumgebung. Ein einziger Fehler könnte eine katastrophale Trümmerkatastrophe auslösen und den Zugang zum Weltraum für Jahrzehnte gefährden.
