The Great Silence: Warum Außerirdische möglicherweise nicht mit uns sprechen

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Seit über einem halben Jahrhundert fragt sich die Menschheit, warum wir keine außerirdischen Zivilisationen entdeckt haben. Die berühmte Frage des Physikers Enrico Fermi ist einfach: *Wo sind alle Menschen angesichts des Alters und der Größe des Universums? Die Antwort lautet neuen Forschungsergebnissen zufolge möglicherweise nicht, dass es keine Außerirdischen gibt, sondern dass sie sich einfach nicht mit uns beschäftigen wollen.

Die Drake-Gleichung und die Suche nach ET

Im Jahr 1961 formulierte der Astronom Frank Drake eine Gleichung, um die Anzahl der nachweisbaren Zivilisationen in der Milchstraße abzuschätzen. Die Drake-Gleichung ist ein Gedankenexperiment. Es wird versucht, die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, anderes intelligentes Leben zu finden, geht jedoch davon aus, dass Außerirdische an der Kommunikation interessiert wären.

Ein besonnenes Schweigen?

Erik Geslin, außerordentlicher Professor am Noroff University College, stellt diese Annahme in Frage. Seine Arbeit legt nahe, dass die „Große Stille“ möglicherweise nicht auf die Abwesenheit von Leben hinweist, sondern eher auf eine bewusste Weigerung, Kontakt aufzunehmen. Fortgeschrittene Zivilisationen, die zu interstellaren Reisen fähig sind, haben sich möglicherweise über aggressive Expansion oder rücksichtslosen Konsum hinaus entwickelt. Sie könnten die Menschheit als zu instabil oder gefährlich für eine Interaktion betrachten.

„Fortgeschrittene Außerirdische sind möglicherweise nicht schüchtern; sie sind möglicherweise einfach nur umsichtig“, argumentiert Geslin. „Wenn außerirdische Zivilisationen biozentrisch oder ökozentrisch sind, erscheint ihnen die Menschheit möglicherweise noch nicht als sicherer Kontaktpartner.“

Planetarische Besonnenheit und ethische Zurückhaltung

Geslin weist darauf hin, dass jede Zivilisation, die zu interstellaren Reisen fähig ist, wahrscheinlich über die technologische Fähigkeit verfügt, uns gründlich zu beobachten. Sie würden eine Spezies sehen, die sich immer noch stark auf anthropozentrische Ziele konzentriert, von der Ressourcengewinnung angetrieben wird und anfällig für Konflikte ist. Diese Beobachtung könnte sie zu dem Schluss verleiten, dass Kontakt inakzeptable Risiken birgt.

Aus dieser Sicht ist Schweigen nicht unbedingt Angst, sondern ein kalkulierter Akt ethischer Zurückhaltung. Weiter entwickelte Arten haben möglicherweise auf die harte Tour gelernt, dass Eingriffe in weniger ausgereifte Zivilisationen katastrophale Folgen haben können. Sie könnten Nichteinmischung als sicherste Vorgehensweise wählen.

Was unsere Signale verraten

Wir senden seit Jahrzehnten Signale in den Weltraum und versenden Einladungen über Sonden wie Voyager und Pioneer. Geslin warnt jedoch davor, dass diese Signale die Menschheit nicht unbedingt als eine einladende Gesellschaft darstellen. Für einen fortgeschrittenen Beobachter könnten unsere Medien, Spiele und sozialen Netzwerke eine Art offenbaren, die erfinderisch, aber auch ökologisch destruktiv ist.

Der Faktor Kontaktbereitschaft

Um dieses Problem anzugehen, schlägt Geslin vor, der Drake-Gleichung einen „Kontaktbereitschaftsfaktor“ hinzuzufügen. Dieser Faktor berücksichtigt, ob potenzielle außerirdische Zivilisationen tatsächlich kommunizieren möchten, und nicht nur, ob sie dazu in der Lage sind. Er geht davon aus, dass Reife, Ethik und ökologische Stabilität entscheidende Faktoren sind.

Neugier vs. Vorsicht

Trotz aller Vorsicht bleibt die Neugier eine starke Kraft. Geslin räumt ein, dass einige Zivilisationen irgendwann zu dem Schluss kommen könnten, dass die Vorteile des Kontakts die Risiken überwiegen. Er vermutet jedoch, dass diejenigen, die lange genug überlebt haben, um interstellare Reisen zu unternehmen, möglicherweise ein tiefes Verständnis für die Fragilität des Systems entwickelt haben. In solchen Fällen würden sie wahrscheinlich sehr wählerisch sein, mit wem sie interagieren.

Letztendlich könnte das große Schweigen ein Zeichen außerirdischer Besonnenheit sein. Möglicherweise beobachten sie uns, beurteilen unser Verhalten und entscheiden, ob die Menschheit für den Kontakt bereit ist. Im Moment scheint ihr Schweigen Bände zu sprechen.