Der Oberste Gerichtshof wird einen bahnbrechenden Fall anhören, in dem es darum geht, ob Ölunternehmen vor staatlichen Gerichten für ihren Beitrag zum Klimawandel haftbar gemacht werden können. Die Entscheidung, von der weitreichende Folgen erwartet werden, könnte die Landschaft der Klimastreitigkeiten in den Vereinigten Staaten erheblich verändern.
Der Kernstreit: Staat vs. Bundesgerichtsbarkeit
Die Klage stammt aus Boulder, Colorado, wo Stadt- und Bezirksbeamte 2018 Klage gegen ExxonMobil und Suncor Energy eingereicht haben. Die Kläger argumentieren, dass die Unternehmen die finanzielle Verantwortung für Schäden tragen sollten, die durch klimabedingte Auswirkungen entstanden sind, und berufen sich dabei auf bestehende Landesgesetze. Die Ölgiganten behaupten jedoch, dass solche Fälle aufgrund der globalen Natur der Treibhausgasemissionen in die Zuständigkeit des Bundes fallen.
Dieser Rechtsstreit ist von entscheidender Bedeutung. Wenn sich der Oberste Gerichtshof auf die Seite der Ölkonzerne stellt, würde er sie wirksam vor Klagen auf Landesebene schützen und alle Klimastreitigkeiten vor Bundesgerichte verlagern – wo die Interessen der Industrie möglicherweise größeren Einfluss haben.
Eine Welle von Klimaklagen
Der Fall Boulder ist kein Einzelfall. Im letzten Jahrzehnt wurden landesweit rund drei Dutzend ähnliche Klagen von Landes-, Kommunal- und Stammesregierungen eingereicht. Diese Klagen zielen auf eine finanzielle Entschädigung für klimabedingte Ausgaben ab, beispielsweise für Schäden an der Infrastruktur durch extreme Wetterereignisse. Einige werfen den Ölkonzernen auch betrügerische Praktiken vor und behaupten, sie hätten die mit fossilen Brennstoffen verbundenen Risiken wissentlich verschwiegen.
Trotz der wachsenden Zahl von Fällen kam es bislang noch nicht zu einem vollständigen Verfahren. Die Ölindustrie hat aggressiv dafür gekämpft, diese Klagen vor Bundesgerichte zu bringen, mit dem Argument, dass der Klimawandel eine Angelegenheit von nationaler und nicht staatlicher Bedeutung sei. Der Oberste Gerichtshof lehnte es zuvor ab, in ähnlichen Fällen einzugreifen, doch der jüngste Druck von Branchenverbänden und der Trump-Regierung führte zu einer erneuten Überlegung.
Hohe Einsätze für den Energiesektor
Es steht immens auf dem Spiel. Ölkonzerne befürchten, dass erfolgreiche Klimaklagen zu Schäden in Milliardenhöhe führen und möglicherweise den US-Energiesektor destabilisieren könnten. Kritiker halten dies für eine Panikmache, die darauf abzielt, Gewinne auf Kosten von Gemeinden zu schützen, die bereits unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden.
Konservative Rechtswissenschaftler haben sich offen dafür ausgesprochen, dass das Gericht diese Fälle einstellen sollte, und sie als „Umwelterpressung“ bezeichnet. Das Justizministerium unter der Trump-Regierung verklagte sogar Staaten wie Hawaii und Michigan, um ihre Bemühungen zur Klimaklage zu blockieren.
In diesem Fall geht es nicht nur um die rechtliche Zuständigkeit. Es geht um die grundsätzliche Frage, wer die Kosten des Klimawandels trägt. Wenn Ölunternehmen von der Rechenschaftspflicht auf staatlicher Ebene verschont bleiben, wird die Belastung unverhältnismäßig stark auf die lokalen Gemeinschaften und die Steuerzahler fallen.
Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird darüber entscheiden, ob staatliche Gerichte als sinnvoller Weg für Klimagerechtigkeit dienen können oder ob die Energiewirtschaft weitgehend vor finanziellen Auswirkungen geschützt bleibt. Es wird erwartet, dass das Ergebnis die Klimapolitik und Prozessstrategien in den kommenden Jahren prägen wird.























