Virtual Fly Hype: Die Wahrheit hinter der Behauptung „Hochgeladenes Tier“.

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Letzte Woche verbreiteten sich Behauptungen über das „erste hochgeladene Tier der Welt“ – eine virtuelle Fliege, die vom in San Francisco ansässigen Unternehmen Eon Systems entwickelt wurde – schnell im Internet, angetrieben von KI-Enthusiasten und hochkarätigen Empfehlungen. Trotz der Aufregung zeigt ein genauerer Blick, dass die Behauptungen nicht durch strenge Beweise gestützt werden, durch vage Messwerte verschleiert werden und mit Definitionsproblemen behaftet sind.

Der virale Anspruch und der anfängliche Hype

Alexander Wissner-Gross, Mitbegründer von Eon Systems, veröffentlichte zunächst Videos einer digitalen Fliege, die grundlegende Verhaltensweisen zeigte, und nannte es eine „Ganzhirn-Emulation“. CEO Michael Andregg verstärkte den Hype noch weiter und beschrieb es als „echtes hochgeladenes Tier“. Diese Aussagen wurden weit verbreitet und von Persönlichkeiten wie Elon Musk, Bryan Johnson und Peter Diamandis unterstützt, die die Behauptungen ohne unabhängige Überprüfung wiederholten. Die Geschichte verwandelte sich schnell in sensationslüsterne Schlagzeilen mit der Frage, ob der Mensch der Nächste sein könnte, und erinnerte an Science-Fiction-Tropen wie The Matrix.

Das Problem? Es wurden keine detaillierte Methodik, kein von Experten begutachtetes Papier und keine unabhängige Bestätigung vorgelegt. Der Beweis bestand ausschließlich aus kurzen Videos, die eine digitale Fliege beim Gehen, Essen und Bewegen ihrer Beine zeigten.

Die Wissenschaft: Was Eon tatsächlich getan hat

Eon Systems veröffentlichte später einen Blog-Beitrag, in dem versucht wurde, ihre Arbeit zu klären, der jedoch nicht in der Lage war, die Behauptung eines vollständigen „Uploads“ zu untermauern. Das Team kombinierte bestehende Großprojekte: eine detaillierte Karte des Fliegengehirns, eine physikalische Simulation des Körpers einer Fliege und Modelle, die die Interaktionen zwischen ihnen simulieren. Obwohl dies eine beeindruckende technische Errungenschaft ist, betonen Experten, dass es sich dabei nicht um ein vollständiges Hochladen des Gehirns handelt.

Wie der Harvard-Neurobiologe Alexander Bates erklärte: „Für eine Behauptung dieser Größenordnung würde ich etwas erwarten, das den gesamten Ansatz im Detail darlegt.“ In dem Blog-Beitrag wurden wichtige Kennzahlen, wie beispielsweise die zitierte „Verhaltensgenauigkeit von 91 %“, nicht erläutert, so dass unklar blieb, was diese Zahl tatsächlich darstellt.

Entscheidend ist, dass die virtuelle Fliege nicht fliegt.

Die Definitionsprobleme des „Hochladens“

Die Kernfrage besteht darin, was einen „Upload“ ausmacht und ob das Ergebnis sinnvollerweise als „Fly“ bezeichnet werden kann. Das aktuelle Modell ist eine Kombination aus neuronaler Verkabelung, Programmierung und anderen Informationen, die von mehreren Tieren zusammengefügt wurden. Dies wirft grundsätzliche Fragen auf:

  • Stellt die Reproduktion einiger fliegenähnlicher Verhaltensweisen einen Upload dar?
  • Zählt ein vollständig kartiertes Gehirn in einer virtuellen Umgebung als „Fliege“?
  • Oder erfordert „Fliegen“ das gesamte chaotische biologische Paket – Körper, Zellen, Stoffwechsel und erlernte Erfahrung?

Auch wenn Eon das Gehirn der Fliege perfekt kopiert hat, ist das Ergebnis immer noch eine Kopie und kein Upload, was tiefgreifende Auswirkungen hat. Es könnten mehrere identische Kopien erstellt werden, was ethische Fragen zu Identität und Replikation aufwirft.

Experten wägen ab

Neurowissenschaftler und Philosophen sind sich einig, dass der Begriff „hochgeladenes Tier“ verfrüht und irreführend ist. Der Neurowissenschaftler Shahab Bakhtiari von der Universität Montreal sagte, der Begriff bleibe eine „offene Frage“, während der Philosoph Jonathan Birch unverblümt erklärte: „Ich glaube nicht, dass wir jemals ‚hochgeladenes Tier‘ sagen sollten.“ Stattdessen sollte die Arbeit als „Ganzhirn-Emulation“ beschrieben werden, die den biologischen Organismus hinter sich lässt.

Die Realität: Ein „MVP“ des Bewusstseins?

Trotz der Kritik besteht Michael Andregg, CEO von Eon Systems, darauf, dass die Behauptung bestehen bleibt. Er beschreibt das System als „Minimum Viable Product“ (MVP) eines hochgeladenen Tieres und räumt ein, dass es „viele Einschränkungen“ aufweist. Andregg behauptet sogar, die virtuelle Fliege sei „in einem begrenzten Sinne bei Bewusstsein“ und könne riechen, sehen und schmecken, obwohl diese Behauptung unbegründet bleibt.

Letztendlich ist die virtuelle Fliege kein Durchbruch in der Bewusstseinsübertragung, sondern vielmehr eine ausgeklügelte Simulation, der die biologische Komplexität eines lebenden Organismus fehlt. Der Hype um sie verdeutlicht die Gefahren unkontrollierter KI-Behauptungen und die Notwendigkeit wissenschaftlicher Genauigkeit in sich schnell entwickelnden Bereichen.

Die Arbeit ist ein Proof of Concept, keine perfekte Nachbildung des Lebens. Diese Unterscheidung ist entscheidend, um zu verstehen, was Eon erreicht hat und warum die Bezeichnung „echter Upload“ bestenfalls ungenau und im schlimmsten Fall irreführend ist.