Die Maske verrutscht kaum. In F. Scott Fitzgeralds Klassiker „Der große Gatsby“ aus dem Jahr 1925 präsentiert sich Jay Gatsby als der Inbegriff des amerikanischen Träumers – altes Geld, weiße Anzüge, endloser Charme. Aber das Geld, das seine Taschen füllte, stammte nicht aus geerbten Nachlässen oder Börsengewinnen. Es kam vom Boden einer Flasche. Insbesondere illegaler Alkohol.
Als die Prohibition kam, blieb Gatsby nicht nüchtern. Er drehte sich um. Mit seinem Geschäftspartner Meyer Wolfsheim betrieb Gatsby von Chicago aus ein lukratives Unternehmen. Sie schenkten nicht nur Getränke in Flüsterkneipen ein; Sie verkauften geschmuggelten Alkohol direkt aus Drogerien. Eine clevere Lücke, falls es jemals eine gab.
Die Geheimhaltung ist Teil des Reizes. Gatsby hütet die Quelle seines Reichtums wie ein Staatsgeheimnis. Über Wolfsheim redet er nicht. Er erwähnt weder die Razzien noch die Bestechungsgelder. Stattdessen veranstaltet er rauschende Partys in seiner Villa in West Egg, in der Hoffnung, dass das Spektakel von den schmutzigen Ursprüngen seines Vermögens ablenkt.
„Er war ein seltener Mann, für den Sie sich zu entschuldigen bereit waren.“
— Nick Carraway
Warum es ruhig halten? Denn der amerikanische Traum der Goldenen Zwanziger verlangte nach einem gewissen Schliff. Gatsby wollte das Ergebnis ohne den Fleck. Er wollte die Partys, die Bewunderung und Daisys Liebe – und das alles, ohne dass das Etikett des Schmugglers an seinem Namen klebte.
Die Ironie ist so stark, dass man sie mit einem Messer durchschneiden kann. Er baut einen Palast aus Licht auf einem Fundament aus Lehm. Und wenn die Party zu Ende ist, gehen die Gäste. Der Wein geht aus. Die Wahrheit bleibt im Schatten des Long Island Sound verborgen.



















