Natalya Saprunova gewann den New Scientist Editors‘ Award. Die Kategorie war Earth Photo 20206. Ihre Siegerserie ist eine Kollision. Tradition versus Klimachaos. Alle in der kanadischen Arktis gedreht.
Nehmen Sie das Eröffnungsbild. Es ist eisblau, selbst durch einen Bildschirm hindurch kalt. Dort steht ein Jäger aus der Inuit-Gemeinschaft in Tuktoyaktak. Er hält einen Gänseköder in der Hand. Normalerweise aus Schilfrohr gefertigt, ist dies hier nicht der Fall. Zuerst verschieben sich die Materialien. Aber das Problem sind nicht nur die Bastelmaterialien. Steigende Temperaturen beeinträchtigen den Vogelzug. Muster verschieben sich. Es wird schwieriger, Vögel zu fangen. Saprunova sieht das. Sie konzentriert sich auf den Permafrost, der von selbst langsam brennt.
Das Tauwetter ist nicht nur schmelzendes Eis. Es verändert die Karte, auf die sich die Menschen verlassen.
Darunter eine weitere Szene. Victoria-Insel. Ein Anwohner kümmert sich um Fisch. Fisch ist hier unverzichtbar. Der Klimawandel verändert das Verhalten. Das ist eine weit gefasste Aussage. Schauen wir genauer hin. Permafrost taut. Die Küstenerosion beschleunigt sich. Quecksilber – ein schädlicher Stoff – gelangt in die Lebensräume der Fische. Die Nahrungsversorgung ist beeinträchtigt. Nicht theoretisch. Sofort.
Schauen Sie sich die weiteren Aufnahmen an. Das Land selbst zerfällt. Versunkene Polygone füllen sich mit Wasser. Gelegentlich tauchen eisbedeckte Hügel auf. Wenn der Permafrost verschwindet, wird der Boden uneben. Karibus haben Mühe, sich zu bewegen. Es ist eine chaotische, kaputte Landschaft.
Sachs Harbor ist schlimmer. Ganze Klippen verschwinden. Direkt neben schmucken Häusern verlaufen Risse durch den Permafrost. Der Kontrast ist krass. Häuser, die für die Dauer gebaut sind. Boden aufgeben. Kanada verfügt über die am längsten bewohnte Arktisküste der Welt. Einige Leute hier könnten die ersten Klimaflüchtlinge des Landes werden? Vielleicht. Das Risiko fühlt sich real an.
Auch Pelly Island verschwindet. Saprunova weiß, dass es geht. Schwarze Felsklippen stehen kahl da. Eine winzige menschliche Figur steht am Wasser. Graue Adern im Gestein zeigen die Wunden. Dort entweichen Treibhausgase aus dem schmelzenden Permafrost. Dies beschleunigt die Erwärmung. Was mehr Eis schmilzt. Es ist eine Feedbackschleife. Umwerfend einfach.
Diese Fotos sind nicht nur Bilder. Sie sind Beweise. Eine Ausstellung in der Royal Geographical Society wird sie in London zeigen. Bis 24. Juli. Sie können genau hinschauen, bevor das Land zurückblickt.
