Luigi Nono hat nichts für schwache Nerven geschrieben. Wenn Sie dachten, moderne klassische Musik bestehe nur aus leisen Klavierstücken in einem schwach beleuchteten Saal, hatten Sie offensichtlich keine Aufführung seines Werks gesehen. Nono wurde am 29. Januar 1924 in Venedig geboren und entwickelte sich zu einer der provokantesten Musikstimmen Italiens. Er starb dort am 8. Mai 1990 und hinterließ ein Erbe aus elektronischen Experimenten, seriellen Techniken und Musik, die sich weigerte, neutral zu bleiben.
Sein Weg zum Ruhm verlief nicht linear. Er begann 1941 am Konservatorium von Venedig. Dann wechselte er den Gang. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Padua und promovierte dort. Doch während er juristische Texte las, studierte er auch bei Bruno Maderna und Hermann Scherchen. Zwei Schwergewichte der Avantgarde-Szene. Diese duale Ausbildung verschaffte ihm eine einzigartige Perspektive. Er verstand die Struktur, aber er wollte sie durchbrechen.
1950 erlangte er öffentliche Aufmerksamkeit. Sein Stück Variazioni Canoniche war eine Orchestervariation über ein Zwölftonthema von Arnold Schönberg. Es war scharfsinnig, intellektuell und zeichnete ihn eindeutig als ernsthaftes Talent aus. In derselben Zeit heiratete er 1955 Schönbergs Tochter Nuria. Die Verbindung zum ersten großen Serialisten war nicht nur persönlicher Natur; es war philosophisch. Nono unterrichtete am Kranichsteiner Musikinstitut in Darmstadt und hielt Vorträge in ganz Europa und den USA. Er verbreitete das Evangelium der neuen Musik und die Leute hörten ihm zu.
Wie Luigi Nono Fragmentierung in seinen Kompositionen nutzte
Was zeichnet eine Komposition von Luigi Nono im überfüllten Feld der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts eigentlich aus? Es ist die Klarheit. Nicht Einfachheit, sondern Klarheit. Er erforschte Polyphonie, Monophonie und Rhythmus auf eine Weise, die sich direkt anfühlte, selbst wenn die Noten komplex waren.
Nehmen wir Polifonica-monodia-ritmica aus dem Jahr 1951. Es ist für sieben Instrumente besetzt. Es ist unkompliziert. Es schneidet durch den Nebel.
Dann gibt es noch The Suspended Song (1955–56). Hier wird es schwer. Es handelt sich um eine serielle Vertonung für Stimmen, Chor und Orchester. Der Text? Briefe von Opfern des Nationalsozialismus. Nono gab die Melodie zwischen Instrumenten und Stimmen weiter. Jeder Interpret spielte selten mehr als eine einzelne Note. Es ist Fragmentierung als emotionales Mittel. Die Isolation im Klang spiegelt die Isolation in den Buchstaben wider. Er verwendete diese Technik auch in anderen Werken und mischte oft Stimmen mit Schlagzeug.
1967 blickte er nach Osten. Per Bastiana Tai-yang Cheng basierte auf einem chinesischen Volkslied. Es feierte die Geburt seiner Tochter. Es ist etwas aleatorisch – Zufallselemente spielen eine Rolle. Die Partitur sieht drei Instrumentalgruppen vor, die in Vierteltönen und auf Magnetband spielen. Es war gleichzeitig persönlich, experimentell und kulturspezifisch.
Warum Luigi Nonos Opera Intolleranza 1960 einen Aufstand auslöste
Man kann nicht über Nono reden, ohne über Politik zu reden. Er war ein bekennender Kommunist. Er hat es nicht versteckt. Er scheute keine Kontroversen. Und das brachte ihn in Schwierigkeiten.
Seine Oper „Intolleranza 1960“ wurde 1961 in Venedig uraufgeführt. Nono nannte sie ein „Wandbild“. Es griff den Faschismus, die Atombombe und die Rassentrennung an. Das Ende war symbolisch und brutal: Die Welt wird überschwemmt und zerstört.
Ist es gut angekommen? Nein. Neofaschisten stürmten die Aufführung. Zwischen ihnen und kommunistischen Anhängern kam es zu einem Aufstand. Das Publikum hörte nicht nur die Musik; sie haben es gelebt. Es war gefährlich.
Später überarbeitete er es als Intolleranza 1970. Die Kernbotschaft blieb bestehen, aber der Kontext veränderte sich. Die Welt hatte sich verändert und damit auch die Dringlichkeit der Arbeit.
Die Pariser Kommune und die Mailänder Scala-Kommission
Anfang der 1970er Jahre gab die Mailänder Scala den Auftrag für eine neue Oper. Nono lieferte Al Gran Sole Carico d’Amore (1972–75). Der Titel stammt aus einem Gedicht von Arthur Rimbaud. Das Thema? Die Pariser Kommune von 1871.
Es war keine traditionelle Oper. Keine konventionelle Handlung. Keine klaren Zeichen. Es ging um Klassenkampf. Der Einfluss von Schönbergs Expressionismus aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist hier offensichtlich. Düster, zackig, emotional roh.
Trotz des Auftrags kam es nicht zur Uraufführung an der Scala. Es ging an das Teatro Lirico. Die Mailänder Scala produzierte 1978 eine überarbeitete Fassung, doch die erste Inszenierung war eine Absichtserklärung. Nono forderte das Establishment von innen heraus heraus.
Politische Werke und späteres Erbe
Nuno wurde vom spanischen Dichter Federico García Lorca inspiriert. Er schrieb Der Rote Mantel (1954) nach einem von Lorcas Gedichten. Epitaffio per Federico García Lorca (1952) wurde als Hauptwerk gefeiert. Es handelt sich um einen Satz von drei Stücken zum Gedenken an den Dichter. Die Ermordung Lorcas durch faschistische Kräfte hat deutliche Spuren hinterlassen.
Andere Werke befassten sich intensiv mit politischen Themen. Sul ponte di Hiroshima (1962) befasste sich mit der Atomkriegsführung. Ein Gespenst geht um in der Welt (1971) vertonte Das Kommunistische Manifest für Gesang und Orchester. Canto per il Vietnam (1973) thematisierte den Krieg in Südostasien.
Er war langjähriges Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens. Er wurde 1975 in das Zentralkomitee gewählt. Er blieb dort bis zu seinem Tod. Die Party war nicht nur ein Hintergrunddetail; Es war die Linse, durch die er Kunst betrachtete.
Seine späteren Werke zeigen eine Verschiebung hin zu Intimität und Hommage. A Pierre: Dell’azzurro silenzio, inquietum (1985) ist für Bassflöte, kontr
